I am science

Hi zusammen,
unter dem Hashtag #IAmScience haben auf Twitter Wissenschaftler ihre Geschichte erzählt, namentlich wie sie zur Wissenschaft kamen. @Blugger hat damit im deutschsprachigen Raum angefangen. Dem will ich mich nicht verschließen. Wobei bei mir eher die Frage wäre: AmIScience ;-). Letztlich bin ich das Drama des hochbegabten Kindes. Die Schule lief noch gut. In der zweiten Klasse wurde eine mathematisch-naturwissenschaftliche-logische Begabung bei mir festgestellt und ich durfte direkt nach den Sommerferien in die vierte Klasse. In der Mittelstufe war ich schlecht in der Schule, habe sogar einen blauen Brief mal in Latein erhalten, das war aber der Tatsache geschuldet, dass ich ein sehr erfolgreicher Jugendtorwart in der FC-Fußball Jugend war, und dementsprechend meine Hausaufgaben immer in der Straßenbahn auf dem Schulweg gemacht habe.

Als ich dann mit dem Fußball aufgehört hatte, begannen auch meine geistigen Kräfte wieder zu wachsen. Schon in der Schule sind mir für mich offene Fragen aufgefallen, die aber nieder geschmettert wurden. Sei es, dass man durch Null teilt bei der Definition der Ableitungen oder sei es dass Masse im Sinne eines Massenerhaltungssatzes auch bei Photonen erhalten bleiben muss. Mein lieber Physik und Mathelehrer in der Oberstufe Doc Buchholz hat mich mehrfach dazu aufgefordert, Mathe und Physik LK zu nehmen. Ich konnte mir aber ein Leben nur mit Zahlen nicht vorstellen. Also habe ich mich für die Kurse mit den schönen Frauen entschieden und Deutsch und Päda LK genommen. Dann hatte ich Abitur und hatte mit 1,5 einen wirklich passablen Durchschnitt. Es war für mich klar, dass ich jetzt an die Uni gehe und studiere. Die Frage war nur was.

Mein alter Schulfreund Marius hat mich dann zu Physik überredet und der alte Schulfreund Gregor war auch dabei. Die Vorkurse machten Spaß, insbesondere die Mathematik hatte deutliche Ausstrahlung auf mich. Dennoch dachte ich als ich an die Uni kam, meine Fragen oder Ideen würden beantwortet werden, dass die Leute das genauso sehen wie ich, und der Dummheit ein Ende gesetzt wäre. Das Gegenteil war der Fall. Wir haben die Axiome der reellen Zahlen durchgenudelt, und man konnte immer noch nicht durch null teilen. Außerdem ergaben sich viele neue Fragen. Ich dachte damals ich wäre nicht geeignet, zu dumm für dieses Studium. Ich schwänzte eine Woche die Vorlesungen um mir über die Fragen Klarheit zu verschaffen. Als ich nach der Woche zu den Vorlesungen kam, verstand ich nur noch Bahnhof und schnitt auch bescheiden in den Übungen ab, wo ich vorher noch einer der besten war.

Ich beschloss also Jura zu studieren, mit zwei anderen Schulkollegen, Benny und Stefan. Das lief sehr gut. Das Grundstudium hatte man nach vier Semestern bestanden, dann kam die Hauptvorlesung in Strafrecht. Ohne mir sonderlich Mühe zu geben, hatte ich ein Prädikat und ansonsten auch ordentliche Noten in dem Schein. In den Semesterferien fuhr ich mit meinem Studienkollegen Benny nach Kitzbühel zum Skifahren. Da alles so gut lief, nahm ich zwei Physik Bücher mit, um mal wieder da was zu lesen und mir ein Hobby anzuschaffen für das ich nach den bisherigen Noten ja Zeit hatte.

Und da traf es mich wie ein Schlag. Was, wenn im Universum in der Mitte ein schwarzes Loch ist und Einstein dahingehend falsch lag, weil er keine Mitte des Universums an nahm. Ich war gefesselt. Fortan arbeitete ich 8 Stunden am Tag an meiner Theorie und die vier Stunden des restlichen Tages paukte ich Jura. Ich war echt komplett fasziniert, weil endlich ergab sich die Möglichkeit, dass meine Ideen aus der Schule Platz fanden in einer Theorie und dass sie doch nicht so falsch waren.

Leider litt dann doch mein Jurastudium an der Uni Köln darunter. Obwohl ich bis heute davon überzeugt bin, dass sie schwarze Listen Ende der Neunziger Jahre hatten und mich da einer drauf gesetzt hatte. Zweimal haben mir das Assistenten angedroht und plötzlich fiel ich in allem durch, in der letzten benötigten Hausarbeit, obwohl ich den ersten Teilschein mit einem Prädikat gemacht hatte und unter den besten 10% war.

Danach fuhr mein Leben Achterbahn. Auch der Chemieprofessor Müllen, seines Zeichen Direktor am Max-Planck-Institut, der mich noch ermuntert hatte, meine Physikstudien fort zu setzen ließ mich fallen wie eine heiße Kartoffel. Ein Jahr später landete ich auf der Straße. Nur mit einem Schlafsack bepackt, einem Kopfkissen und den Notizen meiner Theorie wandert ich von Deutschland in die Schweiz, da in Abschiebehaft, wieder nach Deutschland, nach Frankreich und wieder zurück.

Ich versuche mich heute zu erinnern, wie lange ich auf der Straße war, aber mangels eines Taschenkalenders kann ich das echt nicht so genau sagen. Ich kann nur sagen, dass seit Diogenes (der Philosoph, der in der Tonne lebte) noch nie jemand so viel für seine Theorie aufgegeben hatte.

Danach ging das Märtyrium weiter. Zwei Psychiatrieaufenthalte folgten, nicht zuletzt weil ich auch seit Anfang des Studiums ziemlich verkifft war. Allerdings ist jetzt der letzte Joint über 10 Jahre her, mein heutiger Psychiater, den ich nochmal gefragt habe, hat mir davon abgeraten. 2004 habe ich dann eine Ausbildung als Fachinformatiker Anwendungsentwicklung begonnen, wollte ich doch angesichts der Tatsache, dass ich mir mit 11 oder 12 Programmieren selbst beigebracht hatte, sowas in der Richtung machen.

2006 gegen Ende der Ausbildung kam dann wieder Zeit und Stärke für meine Theorie. Mit meinem Ausbildungskollegen Bernhard Hagen, seines Zeichen schizophren bis unter die Haarspitzen wie ich, arbeitete ich einen Aufsatz über die Äquivalenz von Raum und Zeit heraus, die sich in dem Aufsatz nicht nur aus E = m *c², sondern auch aus der Quantisierung der Raumzeit ergab. Aber trotz mehrfacher Versuche bei den Annalen der Physik zum Beispiel oder bei Nature haben wir es nicht geschafft den Aufsatz zu veröffentlichen, klar wir hatten ja nicht studiert und keine 5 Professoren, die uns eine Lobby vermittelt hätten. Zudem versuchte ich bei Wikipedia meine Erkenntnisse unter zu bringen, aber selbst da, war Theoriefindung nicht erlaubt.

Also beschloss ich mein eigenes Wiki auf zu machen als Hobby am Wochenende. Die absolute Theorie entstand daraus. Heute bin ich bei wirklich guten Keywords mit meinem wiki unter den ersten zehn oder ersten zwanzig z.B. Division durch null, Massenerhaltungssatz, yang mills theorie, Energieerhaltungssatz, Aufbau des Universums, Weltformel, etc…

Ja, es wäre ein Traum irgendwann von den Adsense Einnahmen des Wiki zu leben, aber bis dahin muss ich glaube ich noch gefühlte eine Millionen Zeilen Code bei meiner Arbeit schreiben.

Ja, das ist die Geschichte wie ich zum Wissenschaftler wurde oder auch nicht. #IAmScientist or AmIScientist?

Liebe Grüße

Euer Till